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Düsseldorf. Ein Urgestein der Recklinghäuser Kreis-CDU zieht sich zurück in die zweite Reihe. Lothar Hegemann, der dem Landtag von NRW am Ende dieser Wahlperiode mittlerweile 34 Jahre (mit zwei kleinen Unterbrechungen) angehört, hat bereits im März dieses Jahres seinen Verzicht erklärt und tritt zur Landtagswahl 2017 nicht mehr an.

Am 29. Mai 1980 zog Lothar Hegemann erstmalig über die Reserveliste der CDU in den nordrhein-westfälischen Landtag ein. Durch den plötzlichen Tod des CDU-Spitzenkandidaten Heinrich Köppler kurz vor dem Wahltag erzielte die CDU kein gutes Ergebnis mit der Konsequenz, dass viele Direktwahlkreise für die Union verloren gingen und die Liste weit zog.

Hegemann, seit 1983 auch Vorsitzender des mitgliederstärksten Kreisverbandes in der CDU Deutschlands mit über 10.000 Mitgliedern, festigte seine Position schnell und war über viele Jahre ein einflußreicher Abgeordneter sowie gefürchteter Debattenredner. Sobald Lothar Hegemann ans Rednerpult ging, wusste die Regierung: Jetzt müssen wir aufpassen! Egal, ob die Ministerpräsidenten Rau, Clement oder Steinbrück hießen. Ausgestattet mit einer volksnahen Sprache und seinem beinahe legendären Mutterwitz brachte er die Regierung ein über das andere Mal ins Schwitzen, sehr zur Freude der versammelten Opposition, die oft lautstark applaudierte. Auch der Landespartei blieben die rhetorischen und politischen Fähigkeiten des Schwergewichts aus dem Ruhrgebiet nicht verborgen.

Im Jahr 1999 wählte ihn der Landesparteitag NRW  zu einem der stellvertretenden Landesvorsitzenden, danach bekleidete er mehrere Jahre bis 2010 das Amt des Landesschatzmeisters.Der Höhepunkt seiner politischen Karriere blieb ihm jedoch verwehrt. Als der Regierungswechsel in NRW im Jahr 2005 mit der Wahl von Jürgen Rüttgers zum Ministerpräsidenten endlich geglückt war, gehörte Lothar Hegemann dem Landtag für 14 Monate nicht an. Als er dann im September 2006 für den ausscheidenden Generalsekretär Hans-Joachim Reck in den Landtag nachrutschte, waren die Positionen und Regierungsämter vergeben.  Viele in der Fraktion hätten in Lothar Hegemann gerne den zukünftigen Landtagspräsidenten gesehen, eine Aufgabe, die wie für ihn geschaffen gewesen wäre.Aber auch auf Parteiebene entwickelte sich Lothar Hegemann zu einer einflussreichen Person in der CDU. Legendär ist beispielsweise die Regionalkonferenz der Bundes-CDU nach dem überraschenden Rücktritt des damaligen Vorsitzenden Wolfgang Schäuble am 28. Februar 2001 im Ruhrfestspielhaus in Recklinghausen. Gesucht wurde ein neuer CDU-Vorsitzender, als Kandidaten wurden seinerzeit Jürgen Rüttgers und Volker Rühe hoch gehandelt. Die eindrücklichste Rede hielt damals nach Ansicht aller, die dabei gewesen waren, Generalsekretärin Angela Merkel. Aus dem direkten Umfeld von Lothar Hegemann, der für die Konferenz ein extra mit Flaggen „ausgerüstetes“ CDU-Team Recklinghausen gebildet hatte, ertönten die ersten „Angie Angie-Rufe“, denen sich bald die ganze Halle anschloss. Versammlungleiter Jürgen Rüttgers wandte sich nach den Ovationen an Wolfgang Schäuble und führte aus: „Sie haben gerade etwas gehört“. Der Rest der Geschichte ist bekannt. Angela Merkel wurde auf allen weiteren Regionalkonferenzen gefeiert, so dass Wolfgang Schäuble sie auf dem 13. Bundesparteitag am 10. April 2001 in Essen als seine Nachfolgerin vorschlug. Angela Merkel wurde mit 95,94 Prozent gewählt.

Ein weiterer Höhepunkt des politischen Wirkens von Lothar Hegemann war seine Teilnahme an insgesamt sechs Bundesversammlungen; sie begann im Jahr 1984 mit der Wahl von Richard von Weizsäcker zum  Bundespräsidenten. Mit seinem Abschied aus dem Landtag ist der Rückzug von Lothar Hegemann aus der ersten politischen Reihe abgeschlossen. Bereits zu den Kommunalwahlen 2014 hatte er den Vorsitz der CDU-Kreistagsfraktion, den er zehn Jahre inne hatte, und den Vorsitz des Sparkassenverwaltungsrates, abgegeben. Die Kreispartei hatte ihn bereits im November 2005 zu ihrem Ehrenvorsitzenden gewählt. Aktuell arbeitet Lothar Hegemann als stv. Fraktionsvorsitzender in der CDU-Fraktion beim RVR und als Mitglied der CDU-Kreistagsfraktion mit.

Als Nachfolger im Wahlkreis 73, RE V, hat die Vertreterversammlung am 29. Juni den stellv. CDU-Bürgermeister der Gemeinde Waltrop, Herrn RA Ulrich Meick, gewählt.

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